WordPress oder statische Website?
Tim Rutte
Vorab, damit du weißt, woran du bist: Ich baue statische Websites. Das ist eine Produktentscheidung, keine Weltanschauung. Und dieser Artikel wäre wertlos, wenn er deshalb einseitig ausfiele.
WordPress betreibt einen erheblichen Teil des Webs, und das aus guten Gründen. Die Frage ist nicht, was besser ist, sondern was zu deinem Vorhaben passt.
Der Unterschied in einem Absatz
Ein CMS wie WordPress baut jede Seite bei jedem Aufruf neu zusammen: Es holt Inhalte aus einer Datenbank, wendet ein Theme an, lässt Erweiterungen mitlaufen und liefert das Ergebnis aus. Dafür kannst du dich einloggen und Inhalte selbst ändern.
Eine statische Website wird einmal gebaut. Danach liegen fertige Dateien auf dem Server und werden unverändert ausgeliefert. Es gibt keine Datenbank und keine Anmeldung. Änderungen macht, wer die Website betreut.
Der Rest folgt daraus.
Wann ein CMS die richtige Wahl ist
Inhalte ändern sich häufig
Wenn du mehrmals pro Woche etwas veröffentlichst, ist ein CMS klar im Vorteil. Ein Dienstleister für jede Änderung wäre umständlich und teuer.
Mehrere Personen pflegen Inhalte
Sobald ein Team mit unterschiedlichen Rechten arbeitet und Beiträge freigegeben werden müssen, brauchst du die Benutzerverwaltung und den Redaktionsprozess eines CMS. Das ist nichts, was man nachbaut.
Du brauchst Funktionen, keine Seiten
Onlineshop, Buchungssystem, Kundenbereich, Mitgliederverwaltung, Formulare mit Auswertung. Für all das existieren im WordPress-Ökosystem ausgereifte Erweiterungen. Sie selbst zu bauen wäre unwirtschaftlich.
Es ist schon da und funktioniert
Wenn deine Organisation mit WordPress arbeitet, jemand es beherrscht und die Prozesse daran hängen, ist ein Wechsel ein Projekt ohne Gegenwert. Ein laufendes System zu ersetzen, nur weil eine Alternative existiert, ist selten eine gute Investition.
Wann eine statische Website die richtige Wahl ist
Inhalte ändern sich selten
Öffnungszeiten, Leistungen, Ansprechpartner: Bei den meisten Unternehmenswebsites passiert das ein paar Mal im Jahr. Dann steht der Pflegeaufwand eines CMS in keinem Verhältnis zum Nutzen: Das System will aktuell gehalten werden, auch wenn niemand etwas ändert.
Du willst dich nicht kümmern
Kein Backend heißt: keine Updates, keine Plugin-Konflikte, keine Sicherheitsmeldungen, keine Schulung. Für viele Inhaber ist das der eigentliche Punkt: Sie wollten nie ein Redaktionssystem, sie wollten eine Website.
Geschwindigkeit zählt
Fertige Dateien auszuliefern ist schneller, als jede Seite neu zu berechnen. Das lässt sich bei einem CMS durch Caching weitgehend angleichen, aber es ist zusätzliche Technik, die eingerichtet und gepflegt werden muss.
Kleinere Angriffsfläche
Kein Login, keine Datenbank, keine serverseitige Anwendung: Die häufigsten Einfallstore existieren schlicht nicht.
Wichtig, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Das macht eine statische Website nicht unangreifbar, und es macht WordPress nicht unsicher. Eine gepflegte WordPress-Installation mit aktuellen Erweiterungen und vernünftigen Passwörtern ist eine sichere Website. Das Problem in der Praxis ist nicht WordPress, sondern die Installation, die seit zwei Jahren niemand angefasst hat.
Was du nirgends lesen solltest
Drei Behauptungen, die im Umlauf sind und nicht stimmen:
„Google bevorzugt statische Websites.”
Nein. Suchmaschinen bewerten das ausgelieferte Ergebnis, nicht die Technik dahinter. Geschwindigkeit ist ein Faktor unter vielen, und die erreicht ein gut konfiguriertes CMS auch.
„WordPress wird abgestraft.”
Nein. Millionen gut rankender Websites laufen darauf.
„Statisch ist immer billiger.”
Nicht zwingend. Der laufende Betrieb ist meist günstiger, die Erstellung kostet dasselbe. Und sobald du Funktionen brauchst, für die es fertige Erweiterungen gibt, wird statisch schnell teurer.
Die Entscheidung in drei Fragen
- Ändere ich Inhalte häufiger als monatlich? Ja → CMS.
- Brauche ich Funktionen jenseits von Seiten, etwa Shop, Buchung, Login? Ja → CMS.
- Will ich mich selbst einloggen und ändern? Ja → CMS.
Dreimal nein: Eine statische Website spart dir Aufwand, der sonst dauerhaft anfällt.
Zweimal nein und einmal ja: Red mit jemandem darüber, statt es allein zu entscheiden. Häufig steckt hinter dem „ich will selbst ändern können” die Erfahrung, bei jeder Kleinigkeit auf einen Dienstleister warten zu müssen, und das lässt sich auch anders lösen als durch ein CMS.
Wenn du dich gegen ein CMS entscheidest
Dann bekommst du bei mir eine Website ohne Redaktionssystem: Änderungen schickst du mir, ich arbeite sie ein. Was das praktisch bedeutet, steht auf Website ohne CMS. Was das Ganze kostet und was enthalten ist, auf Website erstellen lassen.
Und wenn dein Vorhaben ein CMS braucht, sage ich dir das in der ersten Antwort. Ein Projekt, das ein CMS erfordert, wird nicht besser, wenn ich es ohne baue.