Was gehört auf eine Firmenwebsite?
Tim Rutte
Die meisten Firmenwebsites enthalten nichts Falsches. Sie enthalten nur nichts Entscheidendes.
„Qualität seit 1998”, „dein zuverlässiger Partner”, „Wir setzen auf modernste Technik”: Sätze, die auf jeder zweiten Website derselben Branche stehen könnten. Wer sie liest, weiß hinterher genauso wenig wie vorher.
Was stattdessen draufgehört, in der Reihenfolge, in der Besucher es erwarten.
1. Was du anbietest, in einem Satz
Der wichtigste Satz der ganzen Website steht ganz oben und beantwortet drei Dinge gleichzeitig: was du machst, für wen, und woran man erkennt, dass man richtig ist.
Nicht: „Willkommen auf unserer Website.” Sondern: „Elektroinstallation für Altbauten in und um Kassel.”
Der Test: Deckt jemand den Firmennamen ab und liest nur diesen Satz, weiß er dann, ob er richtig ist? Wenn der Satz auch für deinen Wettbewerber passt, ist er zu unscharf.
2. Das Angebot, konkret
Was genau machst du? In der Sprache deiner Kunden, nicht in deiner Branchensprache. Kunden suchen nicht nach „ganzheitlichen Lösungen im Bereich Gebäudetechnik”, sondern nach „Heizung austauschen”.
Wenn du mehrere klar unterscheidbare Leistungen hast, bekommt jede genug Raum, dass ein Besucher erkennt, ob seine Aufgabe dazugehört. Wie viele Seiten das ergibt, steht hier.
3. Was der Kunde davon hat
Nicht die Leistung, sondern ihr Ergebnis. „Wir montieren Wärmepumpen” ist die Leistung. „Nach zwei Tagen läuft deine Heizung, die alte entsorgen wir” ist das Ergebnis. Das zweite beantwortet die Frage, die der Besucher tatsächlich hat.
4. Warum du
Der am häufigsten übersprungene Punkt, und der, an dem sich die Entscheidung tatsächlich festmacht. Was unterscheidet dich von den drei anderen Betrieben, die derselbe Suchbegriff auch anzeigt?
Brauchbare Antworten sind spezifisch und überprüfbar: eine Spezialisierung, eine bestimmte Arbeitsweise, eine Erreichbarkeit, eine Garantie, ein Einzugsgebiet. Unbrauchbar sind Antworten, die jeder geben kann: Zuverlässigkeit, Qualität, Erfahrung, Kundennähe.
5. Belege
Alles, was deine Behauptungen stützt: abgeschlossene Projekte, Fotos deiner Arbeit, Kundenstimmen, Zertifikate, Mitgliedschaften, Zahlen.
Nur echte. Erfundene Testimonials und ausgedachte Projektzahlen sind nicht nur unseriös, sondern auch wettbewerbsrechtlich angreifbar. Wenn du noch keine Referenzen veröffentlichen darfst, sag das lieber. Das wirkt souveräner als eine erfundene Kundenliste.
6. Wer dahintersteht
Ein Foto und ein paar ehrliche Sätze. Bei kleinen Unternehmen ist das oft der wirksamste Abschnitt der ganzen Website: Menschen beauftragen Menschen. Ein Gesicht schlägt drei Absätze über Unternehmenswerte.
7. Ein klarer nächster Schritt
Was soll der Besucher tun? Anrufen, schreiben, ein Formular ausfüllen, vorbeikommen? Diese Aufforderung gehört sichtbar auf jede Seite, nicht nur auf die Kontaktseite, und nicht nur ganz unten.
Ein Besucher, der überzeugt ist, aber suchen muss, wie er dich erreicht, ist ein verlorener Auftrag.
8. Kontaktmöglichkeiten, vollständig
Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Adresse, Öffnungszeiten, Einzugsgebiet. Eine Telefonnummer als Text, nicht als Bild. Sie muss auf dem Telefon antippbar sein.
9. Die Pflichtangaben
Impressum nach § 5 DDG und Datenschutzerklärung nach DSGVO. Beide von jeder Seite aus erreichbar. Fehler hier sind abmahnfähig, und die Inhalte gehören in die Hände deiner Rechtsberatung. Kein Website-Dienstleister darf dich rechtlich beraten.
Was technisch dazugehört
Kein Inhalt im engeren Sinn, aber ohne das wirkt der beste Text nicht:
- Auf dem Telefon lesbar. Der Großteil deiner Besucher kommt mobil.
- Schnell. Wer drei Sekunden auf ein weißes Bild wartet, ist weg.
- Auffindbar. Eigener Titel und eigene Beschreibung je Seite, saubere Überschriftenstruktur, sprechende Adressen.
- Bedienbar für alle. Ausreichender Kontrast, echte Beschriftungen an Formularfeldern, Alternativtexte für Bilder.
Die Reihenfolge ist der halbe Inhalt
Dieselben Bausteine ergeben eine gute oder eine schlechte Website, je nachdem, in welcher Reihenfolge sie stehen. Ein Besucher liest nicht von oben nach unten durch. Er scannt und sucht Bestätigung, dass er richtig ist. Findet er sie in den ersten Sekunden nicht, ist er wieder weg.
Deshalb beginne ich bei jedem Projekt nicht mit der Gestaltung, sondern mit sieben Fragen zur Positionierung. Erst wenn klar ist, wem die Website etwas verkauft und warum, steht fest, was oben stehen muss. Erst Klarheit. Dann Design.
Wie das konkret abläuft, steht auf Website erstellen lassen. Was du dafür vorbereiten sollten (und was nicht), steht in der Checkliste.